„Das Thema geht uns alle an“

Der Hashtag #ausspekuliert mobilisiert die Münchner: Am 15. September findet die Demonstration für bezahlbaren Wohnraum und gegen soziale Ausgrenzung statt. Wir unterstützen das Bündnis #ausspekuliert und haben mit dem Initiator gesprochen.

Bis vor ein paar Monaten war der Industrie-Designer Tilman Schaich ein unauffälliger Münchner Mieter. Jetzt ist er Aktivist und Organisator der Demo #ausspekuliert. Warum er das tut und wofür er kämpft.

Herr Schaich, seit wann leben Sie in München? Seit ich acht bin, mit Unterbrechungen. Es war schon vor fünfzehn Jahren nicht leicht, hier eine Wohnung zu finden. Aber inzwischen ist es wirklich extrem.

Tilman Schaich beim Interview in seiner Wohnung.

Wie haben Sie die Veränderungen in den letzten Jahren wahrgenommen? Vor fünf Jahren kannte ich noch Leute, die sich eine Wohnung kaufen konnten, weil sie ja gut verdienen. Heute kann das keiner mehr. Ein Freund hat jetzt ein Baby und sucht eine größere Wohnung – unbezahlbar, obwohl beide berufstätig sind und nicht schlecht verdienen. Dafür haben immer mehr die Stadt satt und ziehen raus – wegen der Mieten. Miesbach, Murnau, Wolfratshausen, Icking, aber auch Landshut und sogar Nürnberg. Überall wird alles viel teurer, weil da schon wieder die Münchner kommen. Ich drücke es mal sarkastisch aus: Wir Münchner werden auf diese Weise sozusagen zu Wirtschaftsflüchtlingen gemacht und die will bekanntlich niemand haben. Das Thema geht einfach alle an, durch alle Berufe.  Aber etwas unternommen habe auch ich erst, als ich selbst akut betroffen war und unser Haus verkauft wurde.

„Die Leute, die unser Haus gekauft haben, fahren im gelben Lamborghini vor“

Haben Sie mit so etwas gerechnet? Ich wusste immer, dass meine Wohnung ein Glücksfall ist. Das hier war das Paradies – aus dem wir jetzt vertrieben werden sollen. Meine Miete soll um 830 Euro steigen, sich also mehr als verdoppeln – auf dem Boden der bestehenden Gesetze. Meine Zweizimmerwohnung soll dann im Verkauf über 900.000 Euro kosten. Und die Leute, die unser Haus gekauft haben, fahren im gelben Lamborghini vor – das kann nicht richtig sein.

Was wollen Sie erreichen? Unsere Forderungen sind nicht neu. Ich hoffe aber, dass wir immer mehr werden, dass Politiker aller Parteien auch auf Landes- und Bundesebene erkennen, dass das Thema Wohnen essentiell ist – und zwar nicht nur ein paar Monate lang bis zu nächsten Wahl. Wenn wir nicht wollen, dass ein Feuerwehrmann, der in München arbeitet, eineinhalb Stunden in die Stadt hinein pendelt, dann brauchen wir grundlegende Änderungen. Es genügt nicht, irgendwo mittels Beihilfe ein Pflaster draufzukleben und zu sagen: wird schon wieder gut.

Kostenlose Flyer und Plakate

Wie Aktivist Schaich sagt, die Forderungen sind nicht neu, aber leider immer noch aktuell. Immer mehr Menschen werden durch Luxussanierungen aus der Stadt verdrängt – Alleinerziehende, Pfleger, aber auch Lehrer, Polizisten, Familien und Rentner. Die Wohnungsnot ist in der Mittelschicht angekommen. Gegen diese Entwicklungen möchten sich die Teilnehmer und Unterstützer der Demo #ausspekuliert wehren.

Als Unterstützer der Demonstration haben wir Flyer und Plakate finanziert. Diese liegen für Sie zum Mitnehmen in unserer Hauptgeschäftsstelle in der Sonnenstraße 10 aus. Wir freuen uns, wenn Sie das Material in Ihrem Viertel verteilen und aushängen!

Informationen zur Demonstration

Folgende Strecke ist für die Demonstration geplant:

14:00 Uhr Start Mariahilfplatz
15:15 Uhr Müllerstraße (Bellevue di Monaco)
15:45 Uhr Isartorplatz
16:00 Uhr Maximilianstraße
17:00 Uhr Abschluss Geschwister-Scholl-Platz

Weiterführende Links:
Website der Demo
Thema: So brutal ist legale Entmietung

 
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