Alexandra Gaßmann, verheiratet, neun Kinder

Alexandra Gaßmann mit ihrem Mann Arthur und fünf von neun Kindern.
Alexandra Gaßmann mit ihrem Mann Arthur und fünf von neun Kindern.

Frau Gaßmann, wie wohnen Sie?
Mit meiner Familie in zwei Wohnungen. Wir haben oben 112 und unten 118 Quadratmeter. Also zusammen 230. Das klingt riesig. Was kostet das? Die Mieten sind günstig, weil es Genossenschaftswohnungen sind. Sonst könnten wir uns München mit so vielen Kindern gar nicht leisten.

Wie sind Sie in die Genossenschaft gekommen?
Die Eltern meines Mannes waren bereits dort Mitglieder. Für uns war das ein Riesenglück, denn das Thema Wohnen ist für jede Familie ein ganz grundsätzliches. Wir mussten uns zumindest nicht sorgen, dass wir uns gar keine Wohnung leisten können. Heute ist es ja fast unmöglich, aufgenommen zu werden, die Wartelisten sind sehr lang und es gibt einfach zu wenig Genossenschaftswohnungen.

Hätten Sie ohne Genossenschaft weniger Kinder?
Wahrscheinlich würden wir dann nicht mehr in München wohnen. Wir haben uns natürlich bei jedem Kind gedacht: Können wir uns das leisten, wie machen wir das? Mit so vielen Kindern macht man keinen Hotelurlaub, sondern Camping. Auch ein Familienausflug ins Schwimmbad ist eine Investition. Aber wir wussten eben, wir können in der Genossenschaft bleiben.

Wie wohnten Sie, bevor die zweite Wohnung dazukam?
Am Anfang in einer Altbauwohnung mit Toilette über dem Gang und ohne Küche. Wir haben uns eine Küchenzeile in den Flur gebaut. Dort lebten wir mit dem ersten Baby. In der zweiten Wohnung waren wir zu viert auf 55 Quadratmetern – also eng war es damals schon bei uns. Als wir mit Kind Nummer drei dann die große Wohnung mit den 112 Quadratmetern bekamen, fühlten wir uns zunächst wie im Palast. Dort lebten wir allerdings auch noch mit sieben Kindern.

Ein eigenes Schlafzimmer war da für die Eltern wohl nicht drin?
Nein, mein Mann und ich hatten nie ein eigenes Schlafzimmer. Aber das hat uns gar nicht gestört. Wir haben schon in den ersten Jahren gemerkt, dass wir als Familie zusammenrücken können und auch mit weniger Platz auskommen.

Und die Kinder?
Die sind es gewohnt, kein eigenes Zimmer zu haben. In der 112-Quadratmeter-Wohung lebten vier Kinder pro Zimmer in Stockbetten – anders ging es nicht.

Wie verteilen Sie sich heute in den zwei Wohnungen?
In der oberen Wohnung haben die Großen ihre Zimmer, die Küche oben haben wir umfunktioniert. Unten sind die Kleineren und die gemeinsame Küche: Dort spielt sich das Familienleben ab.

Wie viele von Ihren neun Kindern leben noch daheim?
Sechs. Zwei wohnen inzwischen in einer Wohnung nebenan und eine Tochter einen Block entfernt.

Haben Sie etwa jetzt auch ein eigenes Zimmer?
Ich habe mir in der oberen Wohnung ein Bügelzimmer eingerichtet, wo auch die Nähmaschine steht. Das ist für mich ein Luxus. Und gegenüber von den Waschmaschinen steht mein Schreibtisch.

„Ab einer gewissen Kinderzahl brauchst du daheim jemanden, der die Familie managt“

Wie viele Waschmaschinen haben Sie?
Zwei. Ich nenne sie Wallburga und Elfriede. Zu den besten Zeiten habe ich 18 Maschinen pro Woche gewaschen, jetzt sind es noch 14 oder 15.

Ihre Waschmaschinen haben Namen?
Ja, denn sie sind wie liebe Freundinnen. Und perfekte Mitarbeiterinnen. Wenn man auf den Knopf drückt, dann arbeiten sie. Drückt man auf einen anderen, sind sie still. Was will man mehr? Ich kann am Schreibtisch sitzen, wenn die beiden arbeiten.

Dachten Sie mal daran, München zu verlassen?
Ja, als wir mit sieben Kindern in einer Wohnung lebten. Da haben wir sehr lange gewartet, denn die Genossenschaft hatte natürlich auch keine größeren Wohnungen. Glücklicherweise bekamen wir schließlich die Wohnung unter uns dazu.

Ist München mit seinen Mieten noch familienfreundlich?
Die Wohnkosten sind für manche ein Hindernis, überhaupt eine Familie zu gründen. Oder weitere Kinder zu bekommen. Dazu kommt bei kinderreichen Familien, dass oft nicht beide Elternteile arbeiten können. Ab einer gewissen Kinderzahl brauchst du daheim jemanden, der die Familie managt. Dann fehlt ein Gehalt, das macht es noch schwieriger. Familien werden immer weiter an den Stadtrand oder ganz raus getrieben, viele Väter oder Mütter müssen pendeln. Und das geht dann auch auf Kosten des Familienlebens.

Sie sind Landesvorsitzende des Verbands kinderreicher Familien in Bayern. Warum braucht es so einen Verband?
Einerseits werden natürlich zu wenige Wohnungen für kinderreiche Familien gebaut. Es gibt aber auch viele weitere Probleme, die andere nicht haben. Als wir unsere zweite Wohnung dazubekamen, forderte die Stadt zum Beispiel zunächst Zweitwohnungssteuer. Dann wollten wir ein Auto kaufen, in dem die ganze Familie Platz hat. Dafür bräuchte ich aber in München einen Personenbeförderungsschein. Eine Ausnahme war leider nicht möglich. Diese Liste könnte ich ewig verlängern. Deswegen brauchen wir eine Stimme, die unsere Interessen vertritt. Und wir tragen hoffentlich dazu bei, dass wir in der Gesellschaft nicht als asozial gelten, nur weil wir viele Kinder haben.

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