Garteln für Anfänger

»Tagesschau«-Sprecherin Judith Rakers hat es in ein paar Jahren vom Gartenneuling zur Selbstversorgerin gebracht und ein Buch darüber geschrieben. Ihre Tipps für Sie

Frau Rakers, wie kann Gärtnern auch bei einer Miet­wohnung funktionieren?
Judith Rakers:
Mich hat es selbst überrascht, wie wenig Gemüsepflanzen brauchen, um sich wohlzufühlen. Salat, Radieschen, Rucola und Spinat wachsen auch in der Wohnung vor einem hellen Fenster. Selbst der Kartoffelanbau ist in einem hellen Zimmer möglich. In meinem Buch zeige ich Schritt für Schritt, wie Kartoffeln in einem Jute- oder Kartoffelsack wachsen. Und die Kräuter in meiner Küche wuchern geradezu, seitdem ich sie selbst einsäe. Auf dem Balkon ist noch viel mehr möglich: Dort wachsen Beeren-Büsche im Kübel, Strauch- tomaten und Säulenobst. Für ein kleines Hochbeet bieten sich Mangold, Möhren, Salat und Fenchel an.  

Ihr persönlicher Tipp, wenn ich schnell essbare Er­gebnisse sehen will: Welche Pflanzen eignen sich gut?
Judith Rakers: Ich unterteile das Gemüse in meinem Buch in Gemüse für Anfänger, für Fortgeschrittene und Leidensfähige. Denn es gibt auch echte Diven unter den Gemüsepflanzen. Diese Einteilung finde ich hilfreicher, als nach biologischen Familien zu kategorisieren, wie es in den meisten anderen Gartenbüchern gemacht wird. Für den Anfang empfehle ich ein Pflanzgefäß mit guter Erde, in das man Salatsamen sät: Rucola, Pflücksalat oder Schnittsalat. Wer es sich ganz einfach machen will, kauft eine Samentüte, auf der „mit Saatband“ steht. Dann stecken die Samen schon im richtigen Abstand in einem Band aus Vlies, das nur noch in die Erde muss. Nach vier Wochen kann man den Salat schon genießen, und er schmeckt so viel besser, wenn man ihn hat aufwachsen sehen. Man weiß die Lebensmittel dann einfach viel mehr zu schätzen.

„Biogemüse ist teuer, und auf dem Balkon wächst es fast umsonst“

Welche Pflanzen sind Diven?
Judith Rakers: Die Tomate ist die Diva unter den Pflanzen (lacht). Ich liebe Tomaten und baue mittlerweile ganz viele unterschiedliche, seltene und alte Sorten an. Aber wer die Tomatenpflanzen wirklich auch selbst aus Samen ziehen möchte, muss schon Ende Februar/März mit dem Vorziehen auf der Fensterbank beginnen. Dann müssen die Keimlinge vereinzelt, also pikiert werden, und dann muss eine Stabtomate immer wieder hochgebunden und ausgegeizt werden. Das ist ganz schön viel Arbeit. Wer nicht richtig gießt, riskiert Krautfäule bei der Tomate. Sie stirbt – und alles war umsonst.

Warum überhaupt Selbstversorgung, wenn ich doch in den Supermarkt gehen kann?
Judith Rakers: Weil eigenes Gemüse viel leckerer ist: Man erntet es ja immer erst dann ganz frisch aus dem Beet, wenn man es essen möchte. Das schmeckt man einfach. Und natürlich ist es auch viel umweltfreundlicher, wenn der Salat auf dem Balkon wächst und nicht von irgendwo mit dem Lkw in den Supermarkt gekarrt werden musste. Und der Preis ist mittlerweile auch ein Argument. Biogemüse ist teuer, und auf dem Balkon wächst es fast umsonst. Außerdem muss ich mich bei meinem eigenen Biomarkt im Garten nicht an Ladenöffnungszeiten halten, und es macht auch noch irrsinnig viel Spaß. Und das Beste ist: Es klappt auch ohne grünen Daumen.  

Ein Gespräch mit einem Selbstversorger in ihrer Talkshow „3nach9“ weckte bei Judith Rakers den Wunsch danach, mit dem Gärtnern anzufangen. 2021 erschien ihr Buch „Homefarming“ (GU Verlag, 24 Euro). Außerdem gibt sie in ihrem Podcast „Homefarming– Mach’s Dir lecker zu Hause!“ Ratschläge (alle gängigen Plattformen).  

 

Text: Ramona Weise­-Tejkl
Fotos: Graefe und Unzer Verlag/Sebastian Fuchs

 
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