10 000 Menschen gehen für bezahlbare Mieten auf die Straße
Was für ein Erfolg! „Uns glangt’s“ war das Motto der großen Mietendemo am gestrigen Samstag auf dem Odeonsplatz. Ab 14 Uhr demonstrierten 10 000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet in der Münchner Innenstadt gegen immer unbezahlbarere Mieten, Verdrängung, Abzocke und Spekulation. Mehr als 120 Vereine, Initiativen und Mietergemeinschaften hatten zu der Demonstration aufgerufen. Aus Berlin, Frankfurt, Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Bochum und ganz Bayern waren Demonstrierende angereist, in Hamburg fand eine Soliveranstaltung statt.

Beim Bühnenprogramm hatten vor allem betroffene Mieter*innen das Wort. Aber auch prominente Unterstützer wie Hans Well & Wellbappn, Rapper Roger Rekless (Deichkind) als Moderator oder Kabarettist Christoph Süß (Quer im BR) drückten ihre Unterstützung aus.




Zudem schilderte Monika Schmid-Balzert vom DMB Mieterverein München die dramatische Situation für Mieter*innen in München. Aus Berlin angereist war Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des Deutschen Mieterbunds. Sie richtete den Blick auf die bundespolitische Perspektive. Aus der Stadtpolitik sprachen der Grüne OB-Kandidat Dominik Krause, der OB-Kandidat der Linken, Stefan Jagel, und SPD-Fraktionschef Christian Köning.
Gegen 15 Uhr setze sich ein Demozug mit musikalischen Wagen (u.a. Express Brass Band) durch die gentrifizierte Maxvorstadt in Bewegung. Zur Abschlusskundgebung gegen 16.30 Uhr spielte Maxi Pongratz (bekannt von Kofelgschroa) auf und Betroffene und Karin Lohr von der Straßenzeitung BISS schilderten die dramatische Wohnsituation für Menschen in sozialen Schwierigkeiten.


Stimmen von Unterstützer*innen der Demonstration:

Marianne Ott-Meimberg, Türkenstraße 54: „Wir letzten drei Mietparteien in der Türkenstraße 52 und 54 kämpfen wie andere Mieter in von Abriss und Spekulation bedrohten Altbauten um unser Zuhause. Wir kämpfen aber auch aus politischen Gründen: Dafür, dass Mieter sich München noch leisten können, und weil wir überzeugt davon sind, dass Mieten der sozial verträglichste und nachhaltigste Umgang mit der endlichen Ressource Grund und Boden ist.“

Matthias Weinzierl, Mietenstopp Kampagne: „Es reicht! Immer mehr Menschen sind gezwungen, die Stadt zu verlassen, weil sie sich Wohnen nicht mehr leisten können. Der Verwertungswahn, der unsere Städte zur Spielwiese der Spekulation macht und selbst kirchliche Einrichtungen wie die Caritas dazu bringt, aus jedem Wohnobjekt das Maximum zu erwirtschaften, muss endlich gestoppt werden. Gier muss geächtet werden! Mit der Mietendemo zeigen wir den Investoren, der Wohnungswirtschaft und der Politik deutlich die rote Karte: So kann und darf es nicht weitergehen.“
Julia Richter, Mehr Lärm für München: „Diese Demonstration hat eines unmissverständlich gezeigt: Die Politik braucht endlich eine andere Themensetzung. Wohnen ist kein Nebenschauplatz. Es ist das zentrale soziale Thema unserer Zeit und entscheidet für viele Menschen darüber, ob Lebensfreude überhaupt möglich ist. Dass so viele auf die Straße gegangen sind, zeigt die enorme Wut darüber, dass steigende Mieten das Einkommen verschlingen und Menschen aus ihrer Stadt und ihrer Heimat verdrängen. Bezahlbares Wohnen gehört ganz oben auf die politische Agenda.“

Melanie Weber-Moritz, Präsidentin Deutscher Mieterbund: „Wohnen ist ein Grundrecht und keine Ware. Millionen Menschen in Deutschland sind durch hohe Mieten massiv belastet oder sogar von Verdrängung bedroht. Die Politik muss endlich handeln: Wir brauchen deutlich mehr bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen, wirksame Mietpreisbegrenzungen sowie ein entschiedenes Vorgehen gegen Leerstand und Immobilienspekulation.“

Monika Schmid-Balzert, stellv. Geschäftsführerin DMB Mieterverein München: „Wohnen ist ein Grundrecht – kein Luxusgut. In München spitzt sich die Lage weiter zu: steigende Mieten, Verdrängung durch Luxussanierungen und Eigenbedarfskündigungen bedrohen das Zuhause vieler Menschen. Wir brauchen eine Politik, die die Interessen der Mieterinnen und Mieter in den Mittelpunkt stellt – mit wirksamer Mietpreiskontrolle, mehr kommunalem Wohnungsbau und einer konsequent sozialen Bodenpolitik. Wir wollen eine Stadt, in der alle bleiben können und nicht eine Stadt, die sich nur noch Reiche leisten können.“
Moritz Burgkardt, Bürgerinitiative #ausspekuliert: „Uns glangts! Ausspekuliert! Die Spekulationen mit Wohnraum und Boden richten erheblichen Schaden an den Menschen und der Wirtschaft an. Ein weiter so darf und kann es nicht geben. Wir müssen uns zusammenschließen, alle verfügbaren Mittel nutzen, um der Entwicklung Einhalt zu gebieten, und die Politik endlich zum Handeln bewegen.“
Simone Burger, DGB Vorsitzende München: „Auf den großen Internetplattformen werden Mieten von durchschnittlich 20 Euro kalt aufgerufen. Das sind für eine 70-Quadratmeter-Wohnung 1.400 Euro. Um sich das leisten zu können, muss eine Familie rund 4.600 Euro netto verdienen. Das können sehr viele Beschäftigte nicht stemmen. München muss eine Stadt für alle bleiben.“

Florina Vilgertshofer, Münchner Forum: „Der massenhafte Verkauf öffentlicher Immobilien an Investmentfirmen, wie ihn vor allem der Freistaat Bayern betreibt, ist eine oft unterschätzte Ursache für die Wohnungskrise. Wir wollen dieses massive Problem ins Licht rücken und für Änderungen eintreten. Denn die bezahlbaren Wohnungen stehen zum Teil schon – wenn man sie nicht verscherbelt.“

Thomas Hinz, Mieterinitiative LIN 25 (Lindenschmitstraße): „Unsere Mieter- und Nachbarschaftsinitiative LIN25 aus Untersendling hat es geschafft, neue rechtliche Dimensionen zum Erhalt von altem Baumbestand bei Nachverdichtung zu eröffnen. Unser Erfolg zeigt glasklar: Nur gemeinsam erreicht man etwas.“

Karin Lohr, Geschäftsführerin Straßenzeitung BISS: „Ohne Wohnen ist alles nichts. Bezahlbarer Wohnraum ermöglicht einen guten Platz in der Gesellschaft. Leerstehende Wohnungen sind ein Skandal.“

Elke Gaber, Omas gegen Rechts: „Wir wissen: Hohe Wohnkosten verschärfen Armut. Junge Erwachsene und ältere Menschen sind überproportional häufig von Wohnarmut betroffen. Wir fordern eine soziale Politik, vor allem im Wohnungsbau und für bezahlbare Mietwohnungen. Mehr soziale Gerechtigkeit beim Wohnen stärkt das Vertrauen in unsere Demokratie.“
Fotos: Lukas Barth
Pressemitteilung vom 08.02.26
